Wenn der Druck zu groß wird…

… wie Coaching helfen kann, wieder handlungsfähig zu werden

Manche Belastungen im Beruf sind leicht zu benennen. Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit, unklare Zuständigkeiten. Andere sind schwerer greifbar und genau deshalb oft schwerer zu tragen. Eine Meta-Analyse aus 2025 zeigt, dass fast drei Viertel der Beschäftigten Mikroaggressionen im Arbeitsalltag erleben. Eine Bemerkung, die sich falsch angefühlt hat. Eine Situation, in der man erklärt, warum man dabei sein kann oder eben nicht. Das Gefühl, permanent beweisen zu müssen, dass man dazugehört.

Eine Wissenschaftlerin erzählt mir, dass sie in Besprechungen regelmäßig unterbrochen wird, wenn sie erklärt, dass ihre chronische Erkrankung ihr die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen erschwert. Sie zweifelt, ob sie das überhaupt ansprechen darf, ohne als "schwierig" zu gelten. Ein Verwaltungsmitarbeiter, der als Erster in seiner Familie studiert hat, beschreibt, wie er sich in bestimmten Runden immer noch fehl am Platz fühlt, obwohl er seit Jahren dabei ist. Laut der 22. Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks, veröffentlicht 2023, kommen 48 Prozent der Studierenden an deutschen Hochschulen aus Familien ohne akademischen Hintergrund. Viele von ihnen arbeiten später in akademischen Einrichtungen und kennen dieses Gefühl, zwischen zwei Welten zu stehen. Eine Projektleiterin, die neben ihrer Vollzeitstelle eine pflegebedürftige Mutter versorgt, sagt, sie funktioniere gerade irgendwie, aber sie wisse nicht mehr, wo sie selbst in alledem noch vorkommt. Eine Studie der Charité Berlin zeigt: In dieser Doppelrolle werden häufig eigene Ansprüche vernachlässigt, mit handfesten Folgen für die psychische und physische Gesundheit.

Was diese Erfahrungen verbindet: Sie zermürben. Und eine systematische Übersichtsarbeit der Universität Mannheim mit über 12.000 Teilnehmenden belegt, dass Diskriminierungserfahrungen die psychische Gesundheit direkt und unmittelbar verschlechtern, und dass dieser Effekt besonders stark ist, wenn Menschen sich an eigene Erlebnisse erinnern. Die Belastung bleibt. Sie wirkt nach, auch dann, wenn der Moment längst vorbei ist.

Was im Coaching passiert

Was ich in Coachings erlebe: Menschen beginnen, genauer zu sprechen. Sie erzählen, wie sie sich selbst sehen, wie sie wahrgenommen werden möchten, wofür sie stehen. Die Wissenschaftlerin fragt sich irgendwann laut, ob ihr Zögern etwas mit ihr zu tun hat oder mit dem Umfeld, in dem sie arbeitet. Der Verwaltungsmitarbeiter merkt, dass er sich seit Jahren an Maßstäbe angepasst hat, die nie wirklich seine eigenen waren. Die Projektleiterin findet Worte dafür, was sie braucht und was sie bereit ist einzufordern.

Wenn diese Erfahrungen ausgesprochen werden dürfen, verlieren sie etwas von ihrem Gewicht. Sie sind dann nicht weniger real. Aber sie sind beweglicher. Und oft wird in diesem Prozess auch sichtbar, was hinter dem individuellen Erleben steckt: Strukturen, die bestimmte Menschen systematisch mehr kosten als andere. Wer sich im Arbeitsalltag permanent erklären muss, wer mit Erwartungen konfrontiert ist, die dem eigenen Selbstbild widersprechen, oder wer Fürsorgearbeit trägt, die institutionell kaum anerkannt wird, erlebt keinen persönlichen Makel. Sie*Er erlebt die Folgen von Bedingungen, die nicht für alle gleich sind. Das benennen zu können, verändert etwas. Es schafft Spielraum für Fragen, die vorher kaum stellbar waren. Was ist mir hier eigentlich wichtig? Wo liegt meine Grenze? Was kann ich beeinflussen?

Handlungsfähigkeit zurückgewinnen

Selbstführung unter Druck bedeutet für mich, wieder zu spüren, wo man selbst steht. Und von da aus erste, realistische Schritte zu sehen. Ich helfe dabei, innere Orientierung sichtbar zu machen. Was trägt mich? Was erschöpft mich? Welche Handlungsoptionen gibt es, auch die, die bisher nicht sichtbar waren?

Dabei geht es mir nicht darum, Menschen dabei zu begleiten, sich besser an schwierige Verhältnisse anzupassen. Coaching, wie ich es verstehe, schärft den Blick dafür, was veränderbar ist und auf welcher Ebene. Manchmal liegt der nächste Schritt im eigenen Handeln. Manchmal liegt er darin, etwas zu benennen, was bisher unausgesprochen geblieben ist. Und manchmal zeigt sich im Coaching, dass das Problem kein individuelles ist, sondern ein strukturelles. Diese Hinweise nehme ich ernst. Im Coaching bleiben sie vertraulich. In meiner Beratungsarbeit mit Organisationen und Hochschulen fließen sie ein, weil individuelle Erfahrungen oft präziser strukturelle Schwächen aufzeigen als jede Befragung.

Coaching ist kein Luxus

Sich Unterstützung zu holen ist eine Entscheidung für die eigene Handlungsfähigkeit. Und damit auch für die Qualität der Arbeit, die man leistet, und die Klarheit, mit der man in Beziehungen agiert.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie gerade viel tragen und sich Klarheit darüber wünschen, wie Sie wieder beweglicher werden können, dann könnte Coaching genau der richtige Schritt sein.

Mehr zu meinem Coaching-Angebot finden Sie hier.

Literatur:

Meta-Analyse zu Mikroaggressionen am Arbeitsplatz (2025): https://isk-personal.de/mikroaggressionen-im-arbeitsalltag-wie-vorgehen/

Emmer, C., Dorn, J. & Mata, J. (2024): Auswirkungen von Diskriminierung auf die psychische Gesundheit. Universität Mannheim / Psychological Bulletin: https://www.uni-mannheim.de/newsroom/presse/pressemitteilungen/2024/februar/auswirkungen-von-diskriminierung-auf-die-psychische-gesundheit/

Kuhlmey, A. & Budnick, A. (2023): Pflegende Angehörige in Deutschland. Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit. Charité Berlin / Bundesgesundheitsblatt: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10109225/

Kroher, M. et al. (2023): Die Studierendenbefragung in Deutschland: 22. Sozialerhebung. DZHW / Bundesministerium für Bildung und Forschung: https://www.studierendenwerke.de/beitrag/die-studierendenbefragung-in-deutschland-22-sozialerhebung

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